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- aktualisiert am 01.03.2014 -

Die Hummelnestmotte
Aphomia sociella  Linnaeus, 1758
engl.: bee moth


Ein Bruträuber von Hummel- und Wespennestern

Text: Thomas Rickinger
Aphomia sociella Linnaeus, 1758, die Hummelnestmotte, gehört in die Familie der Pyralidae (Zünsler), Unterfamilie Galleriinae (Wachsmotten). Mit ca. 3 cm Flügelspannweite ist das erwachsene Tier relativ groß für einen Kleinschmetterling. Die Imagines sind weiß-bräunlich gefärbt und fliegen von Mai bis September. Die Raupen von Aphomia sociella sind hellgrau-gelblich mit roter Kopfkapsel und braunem Nackenschild.

Aphomia sociella  Linnaeus, 1758; Foto: Olaf Leillinger
 Foto: Olaf Leillinger; Aphomia sociella  Linnaeus, 1758

Sie sind polyphag (d.h. verschiedenartige Nahrung fressend) und entwickeln sich in erster Linie in Hummel- und Wespennestern. Die Hummelnestmotte wird häufig auch als Wachsmotte bezeichnet, was nicht ganz korrekt ist. Im Gegensatz zu ihren Verwandten Galleria mellonella L. (Große Wachsmotte) und Achroia grisella Fbr. (Kleine Wachsmotte) benötigt A.sociella nämlich für ihre Entwicklung kein Wachs. A. sociella bevorzugt Hummelnester; ihre Raupen fressen dort Abfälle, ernähren sich aber auch räuberisch von der Hummelbrut. Der Befall durch diesen Schmetterling führt gewöhnlich zu Nestverlusten. Selbst große Völker werden durch die Raupen von A. sociella meist innerhalb weniger Wochen zerstört.

    
 Fotos: Malcolm Storey

Der Schmetterling fliegt bei Dunkelheit und findet die Nester mittels seines Geruchsinnes. Anschließend legt er mehrere hundert Eier im engeren Nestbereich ab, aus denen nach einigen Tagen die Jungraupen schlüpfen. Nester von Sozialen Faltenwespen werden von A. sociella seltener befallen.


 Fotos: Malcolm Storey

 Gut getarnt!

In SCHREMMER 1962 sind zwei solche Fälle für Dolichovespula saxonica und für Vespa crabro dokumentiert.

Die Raupen halten sich dabei gesellig im oberen Bereich des Nestes auf. Sie überziehen den Raum zwischen Wabengassen, Stützpfeiler und Nesthülle mit einem dichten und zähen Gespinst, welches sie offenbar vor den Wespen schützt. Die Raupen sind sehr lichtscheu und ziehen sich bei Beunruhigung ins Innere dieses Gespinstgebildes zurück. Durch langsamen Ausbau des Gespinstes werden immer größere Teile des Wespennestes von den räuberischen Raupen übernommen. Die Wespenbrut, die sich - abgetrennt von den Wespen - im "Raupenbereich" befindet, wird aufgefressen.

Die erwachsenen Larven verpuppen sich gesellig, meist innerhalb des Wespennestes. Die Kokons liegen dann dicht in Reihe nebeneinander und durch Raupenseide zu einem Klumpen versponnen.



 Larve, vom Seidengespinst befreit!

Im Falle des Dolichovespula saxonica-Nestes versuchten die Wespen, mittels senkrecht hochgezogener Papierwände offenbar, das weitere Vordringen der Raupen einzudämmen.

Bei dem Vespa crabro-Nest war die Königin entweder verunglückt oder gab (wie Schremmer vermutete) aufgrund des A. sociella - Befalls ihr Nest auf. Das Volk besaß zu diesem Zeitpunkt bereits einige Arbeiterinnen, welche die Brut anschließend nicht mehr pflegten und das Nest nach und nach verließen.

Relativ unklar ist bisher, wie es A. sociella fertig bringt, ihre Eier in Wespen- und Hornissennestern abzulegen. Bei EDWARDS 1980 heißt es dazu wörtlich: "How can a soft-bodied insect like the predacious moth Aphomia sociella enter the nest without being rapidly overcome by the stings of the wasps? We do not know the answer [...]".

A. sociella legt ihre Eier bei Nacht ab, was sie zumindest teilweise vor den Wespen schützen dürfte. Möglicherweise werden die Eier auch im Eingangsbereich deponiert und anschließend von den Wespen selbst unbemerkt "eingeschleppt".


Hier noch ein Beitrag von Dr. Billig:

Im unteren Bild kann man sehen, dass die Hornissen (nicht etwa die Motten!) als Abwehrmaßnahme das Nest regelrecht aushöhlen und auf diese Weise versuchen, den fast unsichtbaren Gegner los zu werden. Ohne Erfolg - das Nest (war in der freien Natur) war 1 Woche später vollständig verlassen.


Fotos: Dr. Elmar Billig


Aber auch die Jungraupen von Plodia interpunctella, der Dörrobstmotte,  können ein geschwächtes Hornissennest zerstören ...

Jungraupen von Plodia interpunctella, der Dörrobstmotte, zerstören das Nest und ernähren sich von der übrig gebliebenen Hornissenbrut. Foto: Frank Hornig
Foto: Frank Hornig


"Erste-Hilfe-Maßnahmen" bei befallenen Hornissenvölkern, hierzu einige Tipps aus unserem Forum:

  • .... hier handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um räuberische Mottenraupen der Kleinschmetterlingsart Aphomia sociella. Diese Raupen spinnen nach und nach immer größere Teile des Nestes ab und fressen anschließend die von den Hornissen getrennte Brut. Näheres ist nachzulesen unter Schremmer, Wespen und Hornissen, Wittenberg-Lutherstadt 1962. Dieser Raupenbefall könnte zu einer Zerstörung des Nestes führen, da die Hornissen erfahrungsgemäß recht hilflos gegenüber diesen Parasiten sind.

  • Am besten kontrolliert man das Nest häufiger und sammelt alle Raupen (die sich übrigens in die dunkelsten Regionen des Nestes zurückzuziehen versuchen!) ein. Übrigens: die Hummelfreunde haben ein ähnliches Problem mit der verwandten Wachsmotte (Galleria mellonella); einige nehmen dagegen das Wachsmotten-bekämpfungsmittel B401 auf Basis des Bacillus thuringiensis (gibt´s im Imkereifachhandel, schadet den Bienen nicht). Ich bin zwar gegen den Einsatz irgendwelcher künstlicher Mittel, wollte es aber erwähnen, für den Fall, das alle Stricke reißen...

    Thomas

 

  • ...billiger als mit b401 geht's mit neudorff - nachzulesen unter der hummelpflege bei www.hymenoptera.de allerdings fehlen anwendungen und erfahrungen bei vespa; wäre schön, wenn solche berichte hier im forum landen -- würde mich echt mal interessieren. aber danke für diesen interessanten eintrag !

    melanie


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